Warum f_antifa?

„f_antifa“ steht für „feministische Antifa“. Die Grundideen: Antifaschismus ohne Feminismus wird nix. Feminismus ohne Antifaschismus läuft nicht.

Notwendigkeit von Antifaschismus
„Stell dir vor, es ist Rechtsruck, und alle gehn hin.“  Viele Leute suchen Antworten auf die systemimmanenten Krisen von repräsentativer Demokratie und Kapitalismus in extrem neoliberalen Parteien und nationalistischer Gesinnung (siehe Wahlerfolge der AfD, Trumps,…). Die gruseligen und geschichtsvergessenen Rufe nach einem „starken Deutschland“ und seiner „Vormachtstellung in Europa“ sind nicht nur zur Fußballsaison präsent. Sie werden unter anderem von der neoliberalen Präferenz für das Konstruieren von „Eliten“ gespeist. Mit Ausdrücken wie „Wir sind das Volk“ und „Nafris“ werden unverdeckte Biologismen und rassifizierte Fremdzuschreibungen wieder unter dem Teppich hervorgeholt. Anschläge auf Sammelunterkünfte und verbale/körperliche Angriffe auf Menschen of Colour werden häufiger und werden mit vergleichsweise wenig öffentlicher Emörung hingenommen. Tod durch das Vernichten sichererer Fluchtrouten und unterlassene Hilfeleistung im Mittelmeer ist grausamer Alltag. All das sind gleichzeitig Wegbereiter und Konsequenzen der aktuellen mörderischen Migrationspolitik. Mit dem Rundumschlagsvorwurf der „Lügenpresse“ und einer populärer werdenden Welt „alternativer Fakten“ erleben Verschwörungstheorien und struktureller Antisemitismus zur Zeit einen Boom. Immer wieder hören wir von der Verharmlosung oder Leugnung des Holocaust/der Shoah. AfD-Arschloch Höcke fordert eine „180-Grad-Wende in der Erinnerungspolitik“. Die Zahl der anti-jüdischen Attentate in Europa hat in den letzten Jahren zugenommen. Derweil nimmt der Diskurs-Mainstream – statt offen menschenfeindlicher Propaganda – lieber antfaschistische Interventionen in die „demokratische Verantwortungspflicht“. Und währenddessen stabilisieren sich weltweit autoritäre und diktatorische Regime. Viele Staaten rüsten Militär, Polizeiapparat und Überwachungsmethoden auf und verfolgen eine anti-demokratische Sicherheitspolitik. Diesem Kacke-Konglumerat müssen wir etwas entgegensetzen, um einer freien und solidarischen Gesellschaft näher zu kommen.

Antifeminismus und (Neo)Faschismus
Wir erleben und beobachten täglich, wie (hetero)sexistische Propaganda unwidersprochen bleibt und sexistisches Verhalten als „normal“ wahrgenommen wird. Ebenso erleben und beobachten wir, wie dieser Umstand vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit der Antifa erlangt. Wir wollen dazu beitragen, dass der Antifeminismus von Rechts in der antifaschistischen Bewegung mehr in den Fokus genommen wird und einen selbstverständlicheren und entschlosseneren Widerstand erfährt.
Unserer Analyse nach zeichnen sich autoritäre Regime u.a. durch Chauvinismus und die Suche nach „dem starken Mann“ aus. (Neu)rechte Bewegungen weisen in erstaunlicher Einheitlichkeit antifeministische, homophobe und trans*feindliche Ideologien auf. Heteronormierte Familien und Gemeinschaften waren und sind ein Aushängeschild völkischer Politik. Damit verbunden sind die Ausbeutung cis-weiblich gelesener Körper als Gebärmaschine und der Ausschluss und die Verfolgung queerer Menschen. Trotz feministischer Errungenschaften gibt es zahlreiche Beispiele für den aktuellen gesellschaftlichen Backlash: Der immer größer werdende „Marsch für das Leben“ von Abtreibungsgegner*innen in Berlin; die beinahe Abschaffung des letzten Restes Abtreibungsrecht in Polen; Gerichtsurteile, die die herrschende Vergewaltigungskultur juristisch zementieren; populärer werdender „Men’s Rights Activism“; ein Oberbürgermeisterkandidat der AfD, der via facebook die Abschaffung des Frauenwahlrechts fordert,…

FLTI in faschistischen Bewegungen
Wir halten das Patriarchat für einen Stützpfeiler faschistischer Gesellschaftsentwürfe. Gleichzeitig streben wir eine differenzierte Analyse der Rollen von FLTIs im (historischen) Faschismus an: Beispielsweise waren weiße, nicht-jüdische deutsche heterosexuelle Cis-Frauen nicht Opfer, sondern Täter*innen und Profiteur*innen des Nationalsozialismus. Es gab und gibt aktive weiblich sozialisierte Personen auch in neo-faschistischen/neu-rechten Bewegungen, deren Gefährlichkeit aufgrund sexistischer Zuschreibungsmuster immer wieder unterschätzt wird. Und grade im vergangen Jahr gab es einige Versuche von Rechts, feministische Positionen nationalistisch und rassistisch zu vereinnahmen. Das gilt es zu verhindern.

Sexismus in den eigenen Strukturen angreifen
Dafür ist es nötig, auch den Sexismus in der Antifa weiterhin offensiv anzugehen. Auch in antifaschistischen Zusammenhängen werden FLTI-Aktivist*innen oft weniger ernst genommen und müssen sich politische Handlungsspielräume hart erkämpfen. Wir sind dabei, neben der Existenzsicherung im Kapitalismus, einer Mehrfachbelastung von unsichtbarer Arbeit, sichtbarer Arbeit, fehlender Wertschätzung für unseren Aktivismus und sexistischen Übergriffen ausgesetzt. Dessen sind wir zutiefst überdrüssig.

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